Ostern – Ostara – Frühlings-Tagundnachtgleiche

Längliche Tischdecke mit gesticktem Schriftzug 'Frohe Ostern' und Blumenmotiven, daneben ein Stück Baumrinde mit Moos und kleinen Blumentöpfen mit violetten und gelben Blüten.

Nächstes Wochenende feiern wir Ostern. Wieder ein Fest im Jahreskreis mit sehr alten Wurzeln.

Erinnerst du dich?

Weißt du, woher unsere Osterbräuche kommen?

Die Natur ist gerade Ende März / Anfang April stark im Umbruch – so wie unsere Welt gerade. Frühjahrsstürme ziehen über das Land und nehmen mit, was vom Winter, vom Alten noch übrig ist. Aber auch wenn es immer noch Nächte mit Frost und Schneeschauer geben kann, wärmt die Sonne inzwischen den Boden, die Keimlinge in der Natur, uns Menschen. Schau‘ dich mal um, du hast es sicher schon entdeckt: überall sprießt und wächst es. Die Knospen an den Bäumen, das erste frische Grün. Wir entdecken flauschig-pelzige Weidenkätzchen, die ersten gelb leuchtenden Schlüsselblumen und Osterglocken und die ersten frischen Wildkräuter, wie Brunnenkresse, Bärlauch, Brennnessel, Giersch und viele mehr.

Nahaufnahme von weißen Blüten des Bärlauchs mit grünen Blättern und unscharfem Waldboden im Hintergrund.
Handstrauß mit gelben Schlüsselblumen und violetten Lungenkrautblüten vor unscharfem Waldhintergrund.

Ach du grüne Neune... vom Erwachen der Natur und Segen für die Menschen

Für unsere Vorfahren war das ein Fest. Nach langen, dunklen Wintern und eher unfreiwilligem Fasten, wenn irgendwann die Vorräte nahezu aufgebraucht waren, gab es nun endlich wieder frisches Grün. Skorbut als Vitamin-C-Mangelkrankheit war damals nicht selten. Und nun, mit der Wiederkehr des Frühlings, blühte und grünte es wieder überall. Kein Wunder, dass die Farbe „Grün“ auch heute noch mit Gesundheit in Verbindung gebracht wird.

Goethe gab viel später zu seiner Zeit der „Frankfurter Grünen Soße“ ihren Namen und auch in anderen Gegenden ist es heute noch üblich, am Gründonnerstag eine Kräuter-Suppe aus den ersten frischen Kräutern zu kochen.

Aus dem 10. Jahrhundert ist der berühmte Neunkräuter-Segen aus dem Codex Lacnunga überliefert. Durch diesen Altenglischen Zauberspruch wissen wir, dass Kräuter, Gesundheit und Spiritualität damals eng verbunden war. Die Zahl 9 stand z.B. für Vollkommenheit, göttliche Ordnung (wobei mit göttlich hier eine überreligiöse Kraft gemeint ist.) 

Und auch die Hühner legten wieder Eier. Ein weiteres Zeichen des neu erwachenden Lebens, der Fruchtbarkeit. Man kann sich also gut vorstellen, dass zu Beginn des Frühlings die Fülle des Lebens gefeiert wurden. Dazu wurden die ersten Lämmer geschlachtet, Eier zubereitet, gebacken und die Fülle des Lebens gefeiert. Als Dank wurde oft ein Teil der Speisen an die Naturgeister gegeben. Manche dieser Bräuche haben sich über die Christianisierung hinweg bis heute gehalten.

Um die frisch bearbeiteten Felder wurden zum Schutz vor Wind und Tieren Zweige gesteckt: Weidenkätzchen, Hasel, Weißdorn, Hagebutte und andere. Daraus entstanden die in Norddeutschland noch heute üblichen „Knicks“ – Hecken aus Wildpflanzen – übrigens perfekte Brutplätze für Vögel. In späteren Zeiten wurden diese Äste gebunden und als „Palmbuschen“ genommen, um Felder zu segnen und um eine gute Ernte zu bitten.

Die jungen Mädchen gingen – schweigend – am Ostermorgen zu Quellen und Bächen, schmückten es mit Blüten und schöpften Wasser. Man glaubte, dass es am Ostermorgen (oder TagundNachtgleiche) besonders heilig sei. Es sollte das ganze Jahr vor Krankheit schützen und gleichzeitig für Fruchtbarkeit sorgen.

Unsere Vorfahren waren eng verbunden mit der Natur um sie herum. Sie wussten, dass sie ein Teil der Natur sind und wie (überlebens-)wichtig es ist, im Einklang mit der Natur zu leben… Wenn du magst, gib‘ doch jetzt an Ostern auch mal ein kleines „Dankeschön“ an die Natur. Suche dir ein Stück Baumrinde, schmücke es mit Blüten oder anderen Naturmaterialien und lass‘ es mit einem Segensspruch auf einem Bach oder See schwimmen… (macht nicht nur Kindern Spaß)

9-Kräuter-Suppe zum Gründonnerstag

Nach dem Winter und mancher Weihnachts“völlerei“ tut uns auch heute eine frische Kräutersuppe aus den ersten Pflanzen gut. Wie wissen heute, dass es nicht nur Vitamin C ist, sondern auch andere pflanzliche Inhaltsstoffe, wie z.B. Bitterstoffe, Mineralstoffe etc. sind, die uns gesund erhalten.

Vielleicht möchtest du jetzt, zu Beginn des Frühlings oder sogar am „Grün-Donnerstag“ eine Kräutersuppe machen?! Aber achte bitte darauf, dass du nur sammelst, was du wirklich kennst. Falls du unsicher bist, tun es auch die klassischen Kräuter der Frankfurter / Grünen Sauce, die du oft auch im Geschäft kaufen kannst.

Du brauchst:

1 Zwiebel, etwas Butter, 1 EL Mehl, ca. 250g frische Kräuter (möglichst 9 verschiedene wegen des Namens), 1 l Gemüsebrühe, 1 Kartoffel, wenig Salz, Pfeffer

Die kleingehackte Zwiebel in Butter glasig dünsten, mit dem Mehl überstäuben und verrühren (Mehlschwitze). Nach und nach mit der Brühe auffüllen und glatt rühren. Statt der Mehlschwitze kannst du auch eine Kartoffel für die Bindung mit kochen und anschließend alles pürieren.

Die Kräuter sehr fein schneiden, in die Brühe geben und ca. 10 min ziehen lassen (nicht mehr kochen!). Wer möchte, kann noch etwas Sahne dazu geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Gänseblümchen- oder Veilchenblüten dekorieren – fertig!

Wenn du dich in die alten Traditionen einfühlen möchtest, nutze den Vorgang des Kochens und Rührens, um wie früher ein Dankeschön für diese schöne Mahlzeit, ein paar gute Wünsche für dich und deine Lieben und etwas Liebe mit einzurühren. Geschadet hat es noch niemandem – und wer weiß, vielleicht schmeckt die Suppe danach sogar besonders. Wie hieß es früher: „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“ Gutes, gesundes und nahrhaftes Essen ist eben mehr als nur Kalorienzufuhr.

Man kommt mit Brennnessel recht schnell auf die gewünschte Menge Kräuter. Dazu ein wenig Löwenzahn, Bärlauch, Knoblauchsrauke, Spitzwegerich, Sauerampfer, Labkraut, Schafgarbe, Gundermann – was ihr findet.

Bitte immer achtsam sammeln, d.h.: nur sammeln, was ihr sicher kennt und nur so viel, wie ihr wirklich braucht! Nie eine Pflanze oder Standort komplett abernten.

Und die Pflanzenwesen freuen sich, wenn ihr ihnen „Danke“ sagt

 

Grüne Kräutersuppe mit Sonnenblumenkernen, Gänseblümchen, einem Löwenzahnblütenkopf und einer Scheibe Vollkornbrot am Tellerrand.

Ich wünsche euch schöne Ostertage

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