Habt ihr auch eine Lieblingspflanze?
Bei mir ist es Pulmonaria officinalis das Echte Lungenkraut (auch geflecktes Lungenkraut) – zumindest im Moment. Je nach Jahreszeit wechselt das auch gerne mal…
Das Lungenkraut liebe ich seit meiner Kindheit. Ich saß hinterm Haus der Großeltern auf der Wiese zwischen Huflattich und Lungenkraut, freute mich über Farben, Formen, Düfte – Besonderheiten der Natur und den wiederkehrenden Frühling. Häufig von Atemwegsinfekten geplagt, habe ich mir damals schon instinktiv die richtigen Pflanzen gesucht…
Das Lungenkraut in Volksmedizin und aktuelles Wissen
Faszinierend fand ich die blauen und rosa Blüten, an einem Stängel sitzend, die dem Lungenkraut im Volksmund auch den Namen „Hänsel und Gretel“ gaben.
Aber woher kommt das? Die rosafarbigen Blüten sind die jungen, frischen Blüten. Sie sind es, die von Hummeln und Faltern besucht werden. Mit der Bestäubung verändert sich der Zellsaft von sauer auf basisch und damit die Farbe von Rot nach Blau. Praktisch für die Hummeln, sie wissen, wo sie nicht mehr suchen müssen.
Und nach diesem ganzen Rot und Blau, Mann und Frau, Hänsel und Gretel wundert es auch nicht, wenn die Pflanze früher auch auf anderer, feinstofflicher Ebene für die Verbindung zwischen männlich und weiblich gestanden hat: Mit dem „Hänsel und Gretel“ soll angeblich auch manch einer seiner Liebsten sein Herz geschenkt haben…
Andere Sagen berichten, dass die weißen Flecken entstanden sind, als Maria das Jesuskind stillte und dabei Muttermilch auf die Blätter tropfte. Damit gehört das Lungenkraut zu den sog. Marienpflanzen.
Rote oder blaue / violette Blüten enthalten übrigens sogenannte Anthocyane. Das sind Inhaltsstoffe der Pflanzen, die unsere Zellen vor freien Radikalen oder anderen zellschädigenden Substanzen schützen können.
Eine weitere Besonderheit sind die haarigen, weißgepunkteten Blätter (gehört zur Familie der Rauhblattgewächse). Früher hat man darin eine Ähnlichkeit zur kranken Lunge erkannt. Daher erhielt sie auch ihren Namen: Lungenkraut, botanisch Pulmonaria officinalis. Auch das „Pulmo“ im lateinischen heißt: die Lunge betreffend. „Officinalis“ wurden alle Pflanzen bezeichnet, die in der Heilkunde verwendet wurden. Interessanterweise wissen wir heute, dass die Inhaltsstoffe tatsächlich gut bei Atemwegserkrankungen helfen können: Saponine, Schleimstoffe, aber vor allem hohe Mengen an Kieselsäure, die das Lungengewebe stärken.
Heute ist das Lungenkraut nur noch in der Volksmedizin oder Homöopathie zu finden. Wissenschaftlich konnte die Wirksamkeit bisher nicht ausreichend belegt werden, allerdings fehlen auch noch umfangreiche Studien.
Das Lungenkraut in der Natur entdecken
Das Lungekraut zählt zu den heimischen Pflanzen und kommt von Schweden bis nach Italien vor. Es ist häufig in Buchen- oder Mischwäldern zu finden, wo im Frühjahr noch genügend Licht an den Boden kommt.
Das gefleckte Lungenkraut wird bis zu 30cm hoch und ist durch seine behaarten Blätter mit den weißlichen Tupfen und die rosa bis blauvioletten Blüten gut zu erkennen. Es gibt auch andere Arten aber ohne die Flecken.
Achtung: das Lungenkraut steht in einigen Bundesländern unter Naturschutz!
Ihr könnt das Lungenkraut gut im eigenen Garten in einer halbschattigen Ecke, z.B. unter Sträuchern ansiedeln. Im Frühling ist es nicht nur hübsch anzusehen, Wildbienen und Hummeln freuen sich auch über eine weitere Nektarquelle.
Das Lungenkraut in der Wildkräuterküche
Ich nutze die frischen Blüten und Blätter einfach in kleinen Mengen in Frühlingssalaten, auf einem Blütenbrot oder für Desserts.
Gerne lege ich die Blüten von verschiedenen essbaren Pflanzen wie Huflattich, Lungenkraut, Schlüsselblume und Veilchen auch in Honig ein. Diesen Blütenhonig nutze ich aufs Brot oder einen Löffel im Tee.










